· Designlog · 2 min read
Fremde Gestalten
Motivation und erste Ideen zu "Alter Tune", einem Spielzeug zum kreativen Erforschen alternativer Gitarrenstimmungen.

Eine der schönsten Eigenschaften bei der Gitarre ist die Möglichkeit von alternativen Stimmungen (Alternate Guitar Tunings). Schon das Umstimmen einer einzelnen Saite macht die Gitarre zu einem neuen ungewohnten Instrument und eröffnet dem Spieler eine Welt voller ungewohnter und interessanter Klänge.
Viele Künstler haben sich von Alternate Guitar Tunings inspirieren lassen zum Beispiel Adrianne Lenker oder Joni Mitchell; und viele Songs sind durch sie entstanden.
Motivation
Ich nehme selber gerne die Gitarre zur Hand, stimme ein paar Saiten um und gehe auf Entdeckungsreise; und stoße dabei manchmal auf interessante, fremdartige Gestalten (Harmonien, Melodien, Arpeggios, usw.).
Meistens ist es genug, diese Gestalten zu treffen, eine Weile bei ihnen zu bleiben und dann weiter zu ziehen.
Aber manchmal frage ich mich, wer sind diese Gestalten? Was bringt sie zum Vorschein? Es würde zum Verständnis beitragen, sich bewusst zu machen, welche Noten da gerade klingen. Und hin und wieder mache ich das, aber in dieser Stimmung des sich treiben lassens habe ich oft gar keine Lust auf Analysen.
Erste Ideen
Ich dachte an ein User Interface am Computer, auf dem es möglich ist bestimmte Tunings, Griffmuster und Zupfmuster zu konfigurieren. Das User Interface sollte folgende Komponenten haben:
| Komponente | Konfiguration |
|---|---|
| Saiten | Tuning |
| Capo | Modifizieren des Tunings |
| Tabulatur | Griffmuster |
| Arpeggiator | Zupfmuster |
| Transport | Start, Stop, Step, Geschwindigkeit |
Weiters sollte es eine Ausgabe geben, wo die durch Konfiguration obiger Komponenten hervorgebrachten Noten abgelesen werden können.
Es soll möglich sein, eingestellte Konfigurationen als Presets mit Namen abzuspeichern. Durch eine zeitliche Anordnung der Presets ist es dann möglich, Musikstücke zu komponieren.
Als interessanten Unterschied zur echten Gitarre ist es bei dem Tool sehr einfach möglich, während eines Stücks das Tuning zu wechseln. Das ist bei der Gitarre schon auch möglich, aber viel schwieriger.
Schließlich soll es möglich sein, das ganze Musikstück, also die zeitliche Anordnung der Presets im Json-Format abzuspeichern.
Das ist also die Motivation und erste Idee für “Alter Tune”. Ein sehr rauher Prototyp liegt vor.

Die zentrale Frage, die ich in der nächsten Phase angehen muss, ist die UX-Balance. Ich muss ein UI entwerfen, das alle komplexen Konfigurationsmöglichkeiten (Tuning, Capo, Zupfmuster, Preset-Timeline) in einer Oberfläche vereint, ohne den “flow state” des Nutzers zu unterbrechen.
Wie kann ich die Noten-Analyse-Ausgabe so dezent und intuitiv gestalten, dass sie das Verständnis fördert, aber nicht von der musikalischen Entdeckungsreise ablenkt? Dies wird der Fokus des nächsten Devlogs zum Thema “Wireframing und UI-Konzepte” sein.
Die Entwicklung ist jedenfalls am Laufen und der Stand wird regelmäßig auf Alter Tune deployed. Der Sourcecode ist auf GitHub verfügbar.




